Vegan auf Reisen: Tipps für deine Urlaubsplanung

Vegan auf Reisen – gar nicht immer so leicht. Ich ernähre mich seit 2013 vegan. Ihr könnt euch nicht vorstellen wie viele Portionen Pommes in wie vielen verschiedenen Ländern ich seither gegessen habe. Pommes sind meine go to-Lösung, wenn nichts anderes mehr geht. Wer glaubt, dass vegan schon überall auf der Welt angekommen ist, irrt gewaltig.

 

Burger & Schawarma in Florentin, Tel Aviv

Aber das macht mir meistens nichts, denn schließlich habe ich mich freiwillig dazu entschieden. Nichtsdestotrotz stelle ich mir manchmal vor, wie schön es wäre, ein Land auch kulinarisch besser kennenlernen zu können. Gleichzeitig habe ich über die Jahre einige Tipps und Tricks entwickelt, um mir das Essen auf Reisen etwas einfacher zu gestalten.

Diese und meine liebsten veganen Entdeckungen auf Reisen habe ich in diesem Post gesammelt.

Allgemeine Tipps: vegan auf Reisen

Als Veganer*in ist es gar nicht schlecht, sich ein paar Dinge bereits vor der Reise zu überlegen. Mit den nachfolgenden Tipps könnt ihr sicherstellen, dass ihr auf Reisen nicht auf gutes veganes Essen verzichten müsst:


#01 Vorab über lokale Gerichte informieren

Suchmaschinen sind eure besten Freunde. Informiert euch vor eurer Reise, welche lokalen Gerichte es gibt und welche davon vielleicht sogar vegan sind. Schreibt sie euch raus und schaut auch, ob ihr bestimmte Gerichte durch Weglassen einer Zutat veganisieren könnt.


#02 Mit der Landessprache vertraut machen

Sucht euch wichtige Vokabeln in der Landessprache heraus und schreibt sie euch ins Handy oder ein kleines Notizbuch. Hilfreich sind natürlich Begriffe wie „vegan“, „vegetarisch“, „ohne Fleisch“ oder „ohne tierische Produkte“. Aus eigener Erfahrung hilft aber auch „ich bin allergisch gegen…“. Meist sogar besser als „ich esse das nicht“.

#03 Snacks vorbereiten & dabei haben

Kleine Snacks wie z.B. Müsliriegel oder Cracker könnt ihr euch zu Hause einpacken. Habt ihr am Urlaubsort eine Küche (siehe #06), könnt ihr euch hier auch Brote oder einen Salat vorbereiten. So lässt sich der erste Hunger immer besiegen.

#04 Unterkunft vorab kontaktieren

Übernachtet ihr in einer Unterkunft, die euch Essen bereitstellt? Dann ruft vorher dort an oder schreibt eine Mail. Unser absolutes Lieblingsbeispiel: das Argo Hotel auf Euböa. Zum Frühstück stand immer eine Mandelmilch bereit und wann immer er konnte, hat mir Makis, der Sohn des Inhaberehepaares, etwas Veganes zum Abendessen gekocht.

#05 Auf Flügen: veganes Essen vorbestellen

Auf eigentlich allen Langstreckenflügen habt ihr vorab die Möglichkeit, euer Essen auszuwählen. Von vegan über glutenfrei bis hin zu low-carb bieten die Airlines viele verschiedene Möglichkeiten an. In der Regel könnt ihr die Optionen nach eurer Buchung online wählen. Findet ihr keine Informationen dazu, lohnt es sich, den Anbieter direkt zu kontaktieren.

#06 Unterkunft mit Kochmöglichkeit buchen

Wir sind absolute Fans davon, Lokale vor Ort zu unterstützen. Wenn aber gar nichts mehr geht, hilft nur selber kochen. Wenn ihr schon vorher wisst, oder auf Reisen merkt, dass ihr als Veganer*innen mit der regionalen Küche nicht glücklich werdet, bucht euch eine Unterkunft mit Kochmöglichkeit. Das haben wir zum Glück noch nie gebraucht, aber es ist mit Sicherheit die beste Möglichkeit, vegane Verpflegung sicherzustellen.

#07 Fünfe gerade sein lassen

Dieser Tipp hilft mit Sicherheit nicht allen, mir allerdings hat er sehr geholfen. In den ersten Jahren meines veganen Lebens hab ich mich verrückt gemacht, wollte päpstlicher sein als der Papst. Ehrlich gesagt war das aber manchmal ganz schön anstrengend. Vegan ist einfach noch nicht in jedem Land der Welt angekommen und das bedeutet, dass viele auch gar nicht verstehen, was dahinter steckt und warum ich mich für diese Ernährungsform entschieden habe.
Das bedeutet natürlich nicht, dass ich im Urlaub genüsslich Schnitzel und Schweinebraten esse. Was ich sagen will ist: Sicherlich habe ich schon irgendwo unwissentlich Fischsauce gegessen. Butter im Teig gehabt. Milchpulver in der Sauce. Das ist nicht schön und wo es geht, vermeide ich das. Aber es ist eben auch kein Weltuntergang, wenn es mal passiert.

#08 Mit Apps vorab vegane Lokale heraussuchen

Das Internet macht die vegane Lebensweise auf Reisen wesentlich einfacher. Inzwischen gibt es zahlreiche Apps, die euch dabei helfen, vegane Lokale, Lebensmittel und Geschäfte zu finden. Im nächsten Abschnitt stellen wir euch unsere Lieblinge vor:


App-Tipps für veganes Essen auf Reisen

Vegan auf Reisen muss nicht schwer sein. Diese Apps erleichtern euch den veganen Alltag:

  • Happy Cow: vegane Lokale & Supermärkte in deiner Nähe finden
  • Tripadvisor: nicht immer ganz genau, aber mit dem „vegan“-Filter ein guter Anhaltspunkt für vegane Angebote
  • Vanilla Bean: Suche für vegane Lokale, unter anderem mit Bio- und glutenfrei-Filter
  • Google Translate: So simpel, aber so wichtig. Hier könnt ihr euch außerdem die Worte vorlesen lassen, was die Kommunikation erheblich erleichtert

Vegan auf Reisen: unsere liebsten Entdeckungen

Zeit, in Erinnerungen zu schwelgen: Es gab auf unseren Reisen zwar kiloweise Pommes für mich, aber auch echte Schätze. Welche davon mir besonders in Erinnerung geblieben sind, zeige ich euch in diesem Absatz:

Schottland: deftige Küche

Auf unserem Roadtrip durch Schottland haben wir die meiste Zeit selbst auf unserem Campingkocher gekocht (sofern Baked Beans als kochen durchgehen). In Städten haben wir aber natürlich Ausnahmen gemacht und uns Restaurants mit veganen Optionen herausgesucht.

Was wir gefunden haben: Ein Full Scottish Breakfast im Rendevouz Café in Inverness und vegane Burger mit Kimchi Fries im Bread meats bread. Den Laden findet ihr ganze 3x in Glasgow und 1x in Edinburgh.
Beide Restaurants bieten übrigens auch Fleisch an, für das sich Bertal dann jeweils entschieden hat.

Tel Aviv: das vegane Paradies

Wenn ich von den veganen Gerichten in Tel Aviv berichten möchte, weiß ich weder wo ich anfangen, noch wo ich aufhören soll. Falafel, Shakshuka, Hummus, Suppen, Eis, Omelette, Wraps – Tel Aviv ist neben Berlin die veganfreundlichste Stadt, in die ich je gereist bin. An jeder Ecke wartet eine neue vegane Köstlichkeit. Die israelische Küche allein bietet schon eine riesige Auswahl an veganen Gerichten. Dazu kommt aber auch, dass die ganze Stadt voll ist mit Läden, die veganisierte Varianten klassischer Gerichte anbieten.

Was mir aber am meisten im Gedächtnis geblieben ist: Bei einem Spaziergang durch Jaffa, dem historischen Teil der Stadt Tel Aviv-Jaffa, sind wir an einem Eiscafé vorbeigekommen. Wir waren hier weder im hippen Stadtviertel Florentin, noch in einer besonders touristischen Gegend unterwegs. Bertal hat mich überredet hineinzugehen und zu schauen, ob sie auch vegane Varianten im Angebot haben.

In meinem ganzen Leben hätte ich nicht damit gerechnet, dass mir der freundliche Verkäufer eine komplette Eistheke voller veganer Sorten zeigen würde. Wie gesagt, wir waren rein zufällig hier und auch fernab der Hotspots. Es war aber anscheinend völlig normal, dass der Laden ebenso viele vegane Eissorten wie solche mit Milch hatte. Dass es hier nicht bei einer Kugel geblieben ist, muss ich wahrscheinlich nicht extra erwähnen.

 

Griechenland: Blick in fremde Töpfe

Besonders gern erinnere ich mich an unseren ersten gemeinsamen Urlaub auf Euböa zurück. Wir waren in den Norden der Insel gefahren, um in Edipsos in den heißen Quellen baden zu gehen. Am Abend wollten wir noch in dem kleinen Küstenstädtchen zu Abend essen, bevor wir zurück in unsere Unterkunft fuhren.

Wir entschieden uns für ein kleines, gemütliches Lokal mit toller Terrasse. Der Wirt war unglaublich herzlich, sprach aber kein Wort Englisch, auch kein Türkisch oder etwa Deutsch. Mit Händen und Füßen, Übersetzungs-Apps und Bildern versuchten wir herauszufinden, was es heute zu essen geben würde. Eine feste Karte hatte der freundliche Mann nämlich nicht, stattdessen unterschiedliche Tagesgerichte, die er tagsüber in seiner Küche zubereitet hatte.

Als beide Gesprächsparteien merkten, dass wir auf diesem Weg nicht weiterkommen, lud uns der Mann kurzerhand in seine Küche ein. Hier standen unzählige Töpfe und Pfannen mit dutzenden Gerichten. Der Wirt hob bei jedem einzelnen Topf den Deckel, um uns das Gericht zu zeigen und erklärte und anhand einer Übersetzung-App die Zutaten der jeweiligen Gerichte. Gute 20 Minuten nahm er sich Zeit, um uns all das zu zeigen, was er hier vorbereitet hatte.

Am Ende entschied ich mich für Okraschoten in Tomatensauce und Schlangenbohnen. Dazu gab es Pommes und griechisches Bier.
Das Essen hat wirklich wahnsinnig lecker geschmeckt und wir würden euch das Lokal supergern empfehlen, wenn wir uns doch nur an den Namen erinnern könnten. Wenn jemand von euch plant, nach Euböa zu fahren, schreibt uns ruhig, dann arbeiten wir noch einmal mit Nachdruck an unserer Erinnerung.

Bei einem Ausflug nach Athen haben wir zudem Gigantes Pilaki entdeckt, gebackene weiße Riesenbohnen in Tomatensauce. Das Gericht haben wir sogar fest in unseren Speiseplan integriert und schon viele Male zuhause nachgekocht.

Indonesien: No rice, no energy

In Indonesien habe ich mein absolutes Lieblings-Foodkonzept kennengelernt: Nasi Campur.

Nasi Campur gibt es an jeder Ecke und es wird zu so gut wie jeder Tageszeit angeboten. Was dahinter steckt? Reis mit vielen verschiedenen Beilagen. Von Tofu über Bohnen, Bambus, Tempeh, bis hin zu Jackfruit bieten die Lokale die verschiedensten Komponenten an. Die sucht man sich dann einfach nach seinem eigenen Geschmack aus und stellt sie sich auf einem Teller zusammen. Manchmal ist es All you can eat, manchmal wird nach Gewicht bezahlt, ein anderes Mal nach der Anzahl Komponenten auf dem Teller.

Das mit Abstand beste Nasi Campur habe in einem kleinen unscheinbaren Warung in Kuta auf Lombok gegessen. Hätte ihn uns nicht ein Mitarbeiter unserer Unterkunft empfohlen, hätten wir diesen Warung, der ein kleines Zelt mit einem Wagen davor war, sicherlich nie entdeckt.
Aber auch das Essen im Warung Bumi in Canggu auf Bali, das uns meine Freundin Leo empfohlen hatte, war wirklich sehr lecker.


Italien: 10 Tage, 10 Pizzen

Unser Sardinien-Urlaub war in jeder Hinsicht eine Offenbarung. Vor allem, weil ich festgestellt habe, dass ich 10 Tage lang das gleiche Gericht bestellen kann und es immer wieder anders schmeckt. Ja, kein Scherz: ich habe an jedem einzelnen Tag unseres Sardinien-Urlaubes Pizza Marinara gegessen.

Das war aber gar nicht so eintönig wie es den Anschein macht: Jedes Lokal hatte seine ganz eigene Art, die Pizza zuzubereiten. Das klingt vielleicht erstmal verrückt, denn schließlich besteht Pizza Marinara doch eigentlich nur aus Teig und Tomatensauce. (Damit ist die Pizza Marinara übrigens von Haus aus vegan.) Aber sie schmeckte wirklich jedes Mal etwas anders – immer aber sehr sehr gut.

Manche waren etwas schärfer, andere etwas fruchtiger, wieder andere waren noch mit Oliven und Kapern belegt. Was soll ich sagen? Ich bereue nichts und würde es ganz genau so nochmal machen.

Türkei: Heimvorteil

In der Türkei haben wir Bertals Eltern besucht. Das bedeutet, dass ich eigentlich absolut keine Mühe hatte, veganes Essen zu finden. Seine Mutter tischt täglich nämlich mindestens ein veganes 3-Gänge-Menü auf, wenn wir zu Besuch sind.

Etwas herausfordernder war es, wenn wir gemeinsam Essen gingen. Hier blieb mir oft die Kombi aus Pommes und Linsensuppe (hier immer erfragen, ob sie mit Gemüsebrühe gekocht wird!) Als absolute Entdeckung konnte ich aber Barbunya Pilaki mitnehmen.

Die weißen Riesenbohnen in Tomatensauce kochen wir inzwischen auch zu Hause echt oft. Ein entsprechendes Rezept auf Deutsch haben wir allerdings leider noch nicht gefunden.

Österreich: Kartoffelklöße mit Nougat

Kartoffelklöße mit Nougat? Yes! Klingt vielleicht komisch, war aber meine Entdeckung des Urlaubs. Allerdings haben wir die Knödel nicht in einem Restaurant, sondern im Supermarkt gefunden. Ein Bild gibt es daher keines, aber einen Link zum Produkt. Unbedingt probieren, wenn ihr in Österreich seid!

Wer ein erprobtes, veganes Rezept für die Nougatknödel hat: Schreibt uns gern. Hier in die Comments, per Mail an kontakt@sofarawayfromberlin.de oder auf Instagram.

Mit veganen Kartoffelknödeln waren wir bislang leider nicht so erfolgreich, deshalb haben wir uns erst gar nicht an die Nougatvariante gewagt.

Paris: Falafel & Schokobrötchen

Strenger Käse, Avocados mit Olivenöl und rohes Fleisch – das sind meine kulinarischen Erinnerungen an Paris. Die habe ich mit 14 Jahren bei einem Schüleraustausch gesammelt und selbst wenn ich seither mindestens noch ein halbes Dutzend Mal in Paris war, ohne mit den drei Gerichten in Verbindung zu kommen, ist diese Erinnerung immer noch wahnsinnig präsent. 

Und so hab ich auch an unsere Paris-Reise im Frühjahr 2020 keine großen Erwartungen an die vegane Küche gestellt. Ich habe nichts gesucht, dafür aber eine ganze Menge gefunden. Zum Beispiel in einem der vielen Falafel-Läden im angesagten Viertel Le Marais, die uns unsere Tel Aviv Reise in Erinnerung gerufen haben. Oder veganen Kuchen und Schoko-Croissants in der Pâtissere Végétale.


Habt ihr weitere Tipps oder Empfehlungen zum Thema „vegan auf Reisen“? Schreibt uns einen Kommentar oder eine Mail an kontakt@sofarawayfromberlin.de.

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