Euböa: der Griechenland-Geheimtipp

– „Griechenland, Euböa“

– „Wo?“

– „Euböa, Griechenland“

Die unbekannte Insel Griechenlands.

Es ist Herbst 2017, es regnet in Berlin. Noch dazu ist es ungemütlich kalt. Es gibt zwar kein Coronavirus, der einen im alltäglichen Leben einschränkt, dennoch weiß man nicht so recht, was man bei diesem Wetter machen könnte.

Ein optimaler Zeitpunkt, einen Urlaub irgendwo in der Wärme zu suchen und zu buchen. Gesagt, getan. Wir suchen nach günstigen Tickets. Irgendwohin. Hauptsache warm und Hauptsache keine allzu lange Flugzeit, da wir nur sieben Tage frei haben. Schließlich finden wir Tickets von easyjet, Berlin nach Athen. Nur 45 € pro Person für sieben Tage. Mit einer Durchschnittstemperatur von 25° C im Oktober ist Griechenland in diesem Moment für uns das perfekte Ziel. Sofort gekauft.

Nach dem Kauf der Tickets überlegen wir, wie wir den Urlaub am besten gestalten. In Athen waren wir beide noch nicht, sind aber zu diesem Zeitpunkt nicht sonderlich interessiert daran, von der einen Großstadt in eine andere Großstadt zu reisen. Während unserer Recherche stolpern wir über die Insel Euböa. Euböa? Noch nie von ihr gehört. Vor allem diese Tatsache reizt uns. Unser Entschluss steht fest, Euböa ist das Ziel.

sunrise over sea in greece

Sidefacts: Euböa befindet sich nordöstlich von Athen und liegt in der Meerenge des Ägäischen Meeres, zwischen Griechenland und der Türkei. Sie ist nach Kreta die zweitgrößte Insel Griechenlands. Ihre Hauptstadt ist Chalkida. Euböa ist dabei sehr vielseitig. Neben malerisch schönen und abgelegenen Stränden kann man auch in zum Teil wilden Wäldern unterwegs sein oder Berge mit Höhen von bis zu 1700 Meter besteigen. Außerdem ist Euböa das Urlaubsziel vieler einheimischer Griechen und vom internationalen Massentourismus verschont geblieben. Viele Griechen, vor allem Athener, wie wir später erfuhren, haben ihre Sommerhäuser auf Euböa, um dem Trubel der Großstadt zu entfliehen.

Wir landen also Anfang Oktober in Athen. Bereits vor der Ankunft haben wir über Enterprise einen Kleinwagen gemietet. Da wir außerhalb der Saison und nicht während irgendwelcher Schulferien oder Feiertage reisen, sind die Preise sehr niedrig. Am Enterprise-Schalter am Flughafen erhalten wir einen VW Polo mit Vollkaskoversicherung. Kostenpunkt für sieben Tage: ca. 180 €. Zu dem buchten wir auch die Unterkunft im Voraus. Über booking.com mieten wir uns für 7 Tage im Argo Hotel in Agii Apostoli, im östlichen Teil der Insel, ein. Sieben Tage kosten uns dabei inklusive Frühstück 212 €.

small greek city in evvoia greece
Hafenstadt Kymi auf Euböa

Euböa und Athen trennen, je nach Route, ca. 1 Stunde Autofahrt. Die Routen sind ganz unterschiedlich. So ist Euböa beispielsweise über zwei Brücken mit dem Festland verbunden. Beide Brücken führen in die Hauptstadt Euböas, nach Chalkida. Allerdings kann man auch mit der Fähre nach Euböa übersetzen. Wir entscheiden uns für den Weg per Fähre. Daher fahren wir von Athen zunächst nach Oropos, um dann von dort nach Eretria auf Euböa überzusetzen. Die Fahrt kostet insgesamt 10 €. Für den Wagen fallen 6 € an und jeweils 2 € für uns.

Von Eretria nach Agii Apostoli dauert die Fahrt dann nochmal ca. 45 Minuten. Man muss quasi von der einen Seite der Insel auf die andere Seite fahren. Da Euböa ein lang gezogener Streifen ist, keine große Herausforderung. Allerdings trifft die zeitliche Angabe natürlich nur zu, wenn ihr euch nicht, wie wir, verfahrt. Unsere Anreise von Athen betrug dadurch insgesamt knappe vier Stunden. Ich muss allerdings sagen, dass, wenn wir wieder nach Euböa fahren würden, ich mich wieder gerne verfahren würde, da wir auf dieser Fahrt besondere Spots fanden, mit atemberaubenden Aussichten. Wo sich die ganzen Orte befinden kann ich allerdings nicht wiedergeben, da ich zum Teil keine Ahnung habe, wo wir waren.

Zum späteren Abend kommen wir dann doch noch im Argo Hotel an. Jetzt kann unser Urlaub so richtig losgehen.

boy sitting on bench in front of sea

Unsere Highlights

Unsere Unterkunft – das Argo Hotel

Highlights gibt es auf unserer Reise viele. Angefangen mit unserem Zimmer im Argo Hotel. Wir haben uns in ein Zimmer mit Meerblick eingemietet. Und wenn man im Argo Hotel von Meerblick spricht, meinen die auch Meerblick. Unser Balkon ist maximal 15 Meter vom Meer entfernt. Weitsprungrekordhalter könnten also, wenn sie sich besonders viel Mühe geben, vom Balkon an den Strand springen. Wir haben einen atemberaubenden Blick Richtung Osten und können so jeden Morgen den Sonnenaufgang von unserem Balkon genießen.

view from window over the sea
Ausblick aus unserem Schlafzimmer

Das Argo Hotel wird von Dimitra und Konstantinos betrieben. Ein älteres griechisches Ehepaar, das das Hotel liebevoll eingerichtet hat und in Sachen Service und Wohlbefinden der Gäste keine Wünsche offenlässt. Die beiden werden bei der Führung des Hotels von ihren Kindern Mara und Makis tatkräftig unterstützt.

Buchten rund um Agii Apostoli auf Euböa

Auf Euböa gibt es unzählige schöne und malerische Buchten. Suchen in Google und TripAdvisor ergeben unzählige Treffer. Da wir uns im östlichen Teil Euböas niedergelassen haben, besuchen wir überwiegend Strände und Buchten, die sich in der Umgebung befinden.

Wollt ihr einen kompletten Strandurlaub genießen und einfach mal die Seele baumeln lassen, ist ein Besuch anderer Buchten eigentlich nicht nötig. Wie schon bereits erwähnt, befindet sich unser Hotel keine 15 Meter vom Strand entfernt. Das Argo Hotel hat seinen eigenen kleinen Strandabschnitt mit einigen Liegen und Schirmen. Dieser Strandabschnitt und das Wasser sind dabei so sauber und naturbelassen, dass wir uns diesen zum Teil mit Enten und Vögeln teilen.

ducks on water in evia
Unsere Nachbarn

Nach einer morgendlichen Erfrischung im Meer und dem anschließenden Frühstück machen Miriam und ich uns trotzdem auf die Suche nach weiteren schönen Buchten. Lange suchen müssen wir nicht. Nach einem 15-minütigen Fußweg finden wir den Kakolimano Beach. Ein öffentlicher, schöner Sandstrand, mit einem kleinen Restaurant im Hintergrund. Da wir außerhalb jeglicher Reisezeiten reisen, sind wir an allen – ja, wirklich an allen – Stränden ganz allein. Mit dem Auto erreichen wir weitere Strände. Jede einzelne Bucht hat seinen eigenen Charme und ist malerisch schön. Wir haben eine kleine Liste von den Stränden, die wir besucht haben, erstellt:

  • Kalamos
  • Cheromylos
  • Mageiras
  • Kakolimano
  • Stomio
girl walking beach greece

Gesondert möchte ich euch noch von einer nicht öffentlich zugänglichen Bucht berichten. Makis erzählt uns, dass es in der Umgebung einige Buchten gibt, die nur über den Wasserweg zu erreichen sind. So mieten wir uns direkt im Argo Hotel für 6 € ein Tretboot und fangen an zu treten. Nach ca. 20 Minuten finden wir bereits eine kleine, einsame Bucht. Sie ist tatsächlich nur über Wasserwege zu erreichen. Ansonsten ist sie komplett von hohen Felsen umgeben. Ein Strand mit einem kleinen Sandstreifen, mit klarem Wasser und ohne Wellen. Ich komme mir vor wie Robinson Crusoe, Miriam ist Freitag. Hier verbringen wir einige Stunden und genießen einfach die Ruhe und die grandiose Natur.  

small boat on coast

Drymonas-Wasserfall

Für uns als absolute Wasserfall-Fans darf ein Wasserfall in unseren Highlights natürlich nicht fehlen. Bereits in Berlin haben wir uns einige Spots ausgesucht, die wir unbedingt sehen wollen. Einer davon ist der Drymonas-Wasserfall im gleichnamigen Ort.

Der Wasserfall befindet sich im Nordwesten der Insel. Da wir eine Strecke von 155 km vor uns haben und für diese Strecke so ca. drei Stunden planen, fahren wir um 8 Uhr los. Wenn ihr auf Euböa unterwegs seid, ist es empfehlenswert, davon auszugehen, dass die Strecke eher länger dauert als kürzer. So sind die Straßen an sich zwar gut befestigt und stabil, oft aber nur einspurig. Hinzu kommen bergige Landschaften und Serpentinen sowie teilweise reger Berufsverkehr.

Der Wasserfall liegt auf 620 Metern Höhe. Zum Ende der Strecke geht es also sehr lange einfach nur bergauf. Als wir dann ein Schild entdecken, das den Wasserfall ausschildert, lassen wir den Wagen stehen und machen uns zu Fuß auf den Weg. Wir steigen Waldwege und Holzbrücken hinab.

forest in evvoia, greece

Der umgebende Wald ist, vor allem im Herbst, atemberaubend schön. Der gesamte Wald ist in gelbrot-grüne Farbe getaucht und wirkt magisch. Zu unserem Erstaunen ist außer uns beiden niemand sonst da. Alles ist ruhig, man hört lediglich Vogelgezwitscher und irgendwo weiter weg das Wasser plätschern. Nach einem knapp 20-minütigen Fußweg sind wir angekommen.

small waterfall drymonas in evvoia

Der Drymonas-Wasserfall. Aus 15 Metern Höhe fällt Wasser in einen Teich. Da der vorangegangene Sommer sehr heiß und trocken war, ist der Wasserfall im Oktober natürlich nicht so stark, wie er vermutlich nach dem Winter wäre. Dennoch zieht uns dieser Ort in seinen Bann. Wir genießen die absolute Ruhe und die wunderschöne malerische Natur. Wir erkunden den umgebenden Wald und wandern den Bach hinab. Die Farben des Waldes und die einsame Ruhe erscheinen dabei immer wieder surreal.

Heiße Quellen von Edipsos

Wir fahren nach Edipsos. Dieser kleine Gemeindebezirk im Norden Euböas ist vor allem als Kur- und Wellnessort bekannt. Vor 2500 Jahren kurierte bereits Aristoteles seine Arthritis-Leiden in diesen heißen Quellen, mit Wassertemperaturen von bis zu 86° C – so zumindest die Geschichte. Die insgesamt 80 Thermalbäder in Edipsos sollen außerdem heilend bei Migräne und rheumatischen Krankheiten wirken. Aber genug der medizinischen Überzeugungskunst.

In Edipsos angekommen, sind wir einmal mehr überrascht, wie menschenleer auch diese Attraktion ist. Bisher also alles richtig gemacht, denken wir uns, stellen den Wagen ab und begeben uns Richtung Meer. Mit dem Blick aufs Meer befindet sich zu unserer Linken ein kleiner Strandabschnitt. Rechts davon sind die heißen Quellen.

Es sieht wie gemalt aus, kaum vorstellbar und noch schwieriger in Worte zu fassen. Ein Glück gibt es Fotoapparate, die solche Momente zumindest annähernd festhalten können. Unsere Überwältigung wird jedoch etwas durch die riesige Wellness/Spa Hotelanlage direkt neben den heißen Quellen getrübt. Eigenartigerweise bezahlen Menschen in dieser Anlage Geld dafür, um in diesem quellenheißen Wasser zu baden. Draußen bekommt man es halt umsonst.

hot springs in edipsos, evvoia

Trotz einer Außentemperatur von 27° C stürzen Miriam und ich uns in die heißen Quellen. Allerdings ist beim überhasteten Stürzen Vorsicht geboten, das Gestein ist sehr glatt und rutschig, man könnte stürzen.

Wir baden eine ganze Weile in den Thermalbädern und schmieren uns mit dem warmen Schlamm ein. Ein Glück hatte ich die Klimaanlage während der Fahrt auf gefühlte Minusgrade gestellt, denke ich mir in einigen Momenten. Im Anschluss begeben wir uns ins Meer und schwimmen etwas weiter hinaus, um uns abzukühlen. Wer mich kennt, weiß wie lange das weiter Hinausschwimmen dauert.

Anschließend verbringen wir noch etwas Zeit an dem Sandstrand bevor wir uns auf die Suche nach etwas zu Essen begeben.

Essen auf Euböa

Ich war schon vor unserer gemeinsamen Griechenlandreise ein großer Fan der griechischen Küche. Für Miriam mit ihrer veganen Lebensweise gestaltet sich die Auswahl zunächst schon etwas schwieriger. Die Gastfreundlichkeit und Flexibilität der Griechen sorgt aber dafür, dass, auch wenn kein rein veganes Angebot auf der Menükarte zu finden ist, alles möglich gemacht wird.

So ist beispielsweise Makis, der Sohn der Betreiber des Argo Hotels, explizit auf Miriams Wünsche eingegangen und hat ein veganes Menü aus dem Ärmel gezaubert. Zum Frühstück wird Miriam zudem immer Mandelmilch besorgt. Auch in den Restaurants muss Miriam nicht jeden Abend Patátes und Salat essen. Aufgrund der Sprachbarriere in dem Restaurant Kalyva in Edipsos werden wir sogar kurzerhand durch die Küche geführt. So kann Miriam sich ihre Gerichte visuell aussuchen.

In Athen ist es ein Leichtes, Extrawünsche zu formulieren, da fast jeder sehr gutes Englisch spricht. Auf Euböa allerdings ist das nicht der Fall. Ich möchte an dieser Stelle aber nochmals auf die unfassbare Gastfreundlichkeit der Bewohner Euböas hinweisen. In dem PSARAS Restaurant in Platána wird beispielsweise kurzerhand ein Passant zum Dolmetscher ernannt. Nach erfolgreicher Bestellung genießen wir dann alle zusammen, die Mitarbeiter des Restaurants, der „Dolmetscher“ und wir, einen regionalen Rotwein. Eine grandiose Stimmung und Erfahrung.

Für mich bietet sich eine unglaubliche Vielfalt an Speisen. Ich bestellte beispielsweise Saganaki. Was sich für mich wie eine Sushi-Spezialität anhört, entpuppt sich als frittierter Käse. Ich bin im siebten Himmel. Allen Griechenland-Reisenden kann ich absolut den Garnelen-Saganaki-Eintopf empfehlen. Dazu ein guter Wein, perfekt. Meine Mahlzeiten bestehen überwiegend aus Fisch und Meeresfrüchten. Frisch und lecker zubereitet.

Für alle Trinker: 0,5 Liter bester Hauswein kosten uns nie mehr als 2 €.

In diesem Moment muss ich mich zusammenreißen, nicht den ganzen Artikel nur noch übers Essen zu schreiben. Ich schließe dieses Kapitel also mit der Information, dass das Essen in Griechenland zu einem der besten unserer gesamten Urlaube gehört.

Athen

Wir können natürlich nicht in Athen landen und uns nur ca. zwei Stunden von Athen entfernt aufhalten, ohne diese Stadt zu besuchen. Also nehmen wir uns einen Tag, um Athen zu erkunden. Ganz touristentypisch besuchen wir die Akropolis. Ein schöner Ort mit atemberaubender Geschichte. So leer und einsam Euböa ist, so voll ist es in Athen. Das ist schon erstaunlich, da wir uns vermeintlich in keiner Reisesaison befinden. Allgemein ist es empfehlenswert, den Wagen bereits in den Randbezirken zu parken, da man in der Innenstadt mit dem Auto nur mühsam vorankommt. Viele Autos, viele Roller, viele Passanten, viel Stau.

akropolis in athens

Nach dem Besuch der Akropolis spazieren wir dann ziellos durch die Stadt. Wir schlendern durch verschiedene Viertel wie Monastiraki, Psiri und Exarchia. Hier mal ein Kaffee, da mal ein Wein und ein Snack. Das Viertel Monastiraki beeindruckt mit vielen kleinen, dicht aneinander gereihten Geschäften, die ihre Waren auch draußen präsentieren. Es wirkt fast wie ein Basar mit vielen Läden. Psiri überzeugt vor allem mit der endlosen Auswahl an Cafés und Restaurants. Leckeres Essen im Freien. Das alternative Exarchia-Viertel zeichnet sich durch die vielfältige Street-Art aus. Wie aus dem Nichts versammeln sich viele junge Leute plötzlich auf der Straße, es wird Musik gespielt und wir finden uns in einem Open-Air wieder. Wir trinken Bier und tanzen mit. Als Kreuzberger/Neuköllner fühle ich mich hier fast wie zu Hause.

athens is the new berlin graffiti

Habt ihr Fragen zu einem unserer Tipps oder möchtet ihr Genaueres erfahren? Habt ihr vielleicht einen noch besseren Tipp? Dann schreibt uns einen Kommentar oder eine Mail an kontakt@sofarawayfromberlin.de


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4 Kommentare

  1. März 23, 2020 / 1:18 pm

    Hallo! Tolle Reise habt ihr gemacht! Auch durch den Fotospaziergang kann man verstehen, wie märchenhaft dieses Land ist. Ich war in Griechenland letztes Sommer und kehre unbedingt zurück. Toller Fotobeitrag, danke!

    • Miriam
      März 23, 2020 / 1:21 pm

      Liebe Bettina,

      vielen lieben Dank für deine netten Worte! Wo genau bist du denn gewesen? Wir freuen uns immer über Empfehlungen.

      Viele liebe Grüße und bleib gesund!

      Miriam & Bertal

  2. Nihat
    März 27, 2020 / 4:13 am

    Hallo alles gut alles schön weiter soo

    • Miriam
      März 27, 2020 / 8:50 am

      Danke,lieber Nihat!

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