Hüttenwanderung zur Baltschiederklause auf 2783 m

Aufregende Mehrtagestour im Wallis

Es gibt Dinge, bei denen fragen wir uns, was wir uns eigentlich dabei gedacht haben. An einem Freitagabend um 21 Uhr zu beschließen, am nächsten Tag zur Baltschiederklause zu wandern ist wahrscheinlich eines davon. Und dennoch ist diese anstrengendste Hüttenwanderung und Mehrtagestour unserer Wanderer-Karriere zugleich auch eine der schönsten geworden.



Die Baltschiederklause



Fakten:

  • Lage: Baltschiedertal, Oberwallis
  • Erbaut: 1921
  • Höhe: 2785 M.ü.M.
  • Website beim SAC
  • Schwierigkeit Wanderung: T2, zu Beginn über die exponierten Stellen T4

Die Baltschiederklause liegt in unserem Heimatkanton, dem Wallis. Sie befindet sich weit hinten im Baltschiedertal, östlich des bekannten Bietschhorns, und liegt auf 2785 Metern. Damit liegt sie in den Berner Alpen. Um sie zu erreichen, steht einer der längsten Hüttenwanderwege der Schweiz bevor: 17 Kilometer und etwa 1800 Höhenmeter sind zu bewältigen.

Startpunkt der Wanderung ist entweder das Dorf Ausserberg oder das Dörfchen Eggerberg auf der anderen Seite des Tals. Beide Dörfer sind von Visp aus gut mit dem Bus erreichbar, liegen aber auch auf der BLS-Bahnstrecke zwischen Bern und Brig.

Unsere Hüttenwanderung zur Baltschiederklause

17 Kilometer und 1800 Höhenmeter? Für uns anscheinend nicht genug. Wir entschieden uns, die Mehrtagestour bei uns zu Hause zu starten. Das macht dann nochmal plus 6 Kilometer und plus 300 Höhenmeter. Warum? Diese Frage können wir ehrlich gesagt nicht beantworten. Irgendwie erschien uns das praktischer, als sich von Zug und Bus abhängig zu machen.

Und so ging es für uns am Samstagmorgen los. Wir starteten im alten Dorfkern von Raron und wanderten über St. German gemütlich bis nach Ausserberg. Am Bahnhof legten wir nur eine kurze Trinkpause ein und machten uns dann weiter auf den Weg bis zum Eingang des Baltschiedertals. Bei Choruderri gabelt sich der Weg und wir konnten uns entscheiden, ob wir links durch den etwa 2 km langen Stollen gehen wollten oder rechts außen herum.

Noch 7 Stunden bis zur Baltschiederklause: Nervenkitzel & Konzentration

Da wir bislang immer den Weg durch den Stollen genommen hatten, entschieden wir uns dafür, nach rechts zu gehen. Nach etwa 250 Metern wurde uns dann auch klar, weshalb ein Schild darauf hingewiesen hatte, dass dieser Weg nur für Schwindelfreie geeignet ist.



Schmale, ausgesetzte Stellen, Felsüberhänge und schmale Planken über dem tiefen Abgrund zeichnen den Weg aus. Etwa 30 Minuten sind wir so unterwegs. Mit unseren großen, relativ schweren Rucksäcken auf dem Rücken gar nicht so leicht. Wir atmen auf, als wir wieder auf unserem gewohnten Weg ankommen und wandern jetzt bis zum Rastplatz Ze Steinu.

Hier frühstücken wir kurz, machen uns dann aber wieder direkt wieder auf. Im Süden verdichten sich die Wolken und die dunkle Front kommt langsam immer näher. Mit Regen haben wir zwar gerechnet, der kommt jetzt jedoch viel früher als angekündigt.

Also laufen wir immer weiter in Tal hinein. Die meiste Zeit sind wir hier allein, nur zwei Wanderer kommen uns entgegen. Gegen Mittag treffen wir auch eine Herde Ziegen, die uns ein ganzes Stück begleiten. Mittlerweile sind wir so weit oben und so tief im Tal, dass wir uns die Jacken anziehen müssen und auch noch einige Schneefelder zu sehen sind.

Noch 5 Stunden bis zur Baltschiederklause: der Regen beginnt

Und dann holt uns der Regen leider ein. Gegen 14 Uhr beginnt es, leicht zu tropfen. Wir verpacken unsere Rucksäcke in den Schutzhüllen und sind noch relativ guter Dinge. Der Weg führt jetzt eigentlich nur noch steil bergauf. Die Sicht wird immer schlechter, die Luft immer kälter, der Regen immer stärker. Als wir uns umdrehen, sehen wir, wie sich eine Wolke auch am Grund des Tals superschnell auf uns zu bewegt. Fünf Minuten später stehen wir inmitten der kalten Wolke. Und auch der Boden wird rutschiger, deshalb holen wir unsere Wanderstöcke heraus.

Und so laufen wir durch den strömenden Regen. Jetzt treffen wir niemanden mehr. Auf dem Boden entwickeln sich kleine Bäche, denen wir auf den schmalen Wegen nicht mehr ausweichen können. Nach etwa 3 Stunden passieren wir einen Wegweiser, der uns die bittere Wahrheit auftischt: Es liegen noch etwa zwei Stunden vor uns. Allmählich versagen unsere Regenjacken und auch unsere Schuhe füllen sich langsam mit Wasser.

Inzwischen sind wir in einer kargen Gletscherlandschaft unterwegs. Überall rauscht das Wasser, alles ist karg und rau. Wir können nur etwa zehn Meter weit gucken und haben daher keine Ahnung, was uns noch erwarten wird. Eine gerade Strecke lässt uns etwa zwanzig Minuten durchatmen. Dann allerdings geht es weiter bergauf. Und das erbarmungslos: Es ist steil, kalt und ungemütlich. Wir sind komplett durchnässt, der Weg und die Kälte zehren an unseren Kräften.

Noch 1,5 Stunden bis zur Baltschiederklause: die härteste Hüttenwanderung

Irgendwann können wir die vagen Umrisse der Hütte sehen. Wer jetzt glaubt, dass das für uns ein erleichternder Moment ist, der täuscht sich gewaltig. Die Baltschiederklause thront hoch oben auf einem Felsvorsprung, in weiter Ferne und auf den ersten Blick unerreichbar für uns. Aber wir kämpfen uns weiter durch. Beine und Lunge rebellieren, aber aufgeben ist jetzt wirklich keine Option mehr. Die letzte Stunde erscheint uns wie eine Ewigkeit.

Kurz vor unserem Ziel begegnen wir dann noch einem Steinbock und dann ist es geschafft. Außer Atem, am Ende unserer Kräfte und nass bis auf die Knochen kommen wir in der Baltschiederklause an. Begrüßt werden wir von der Hüttenwartin Jolanda, die uns bereits erwartet hatte (durch den Regen waren wir leider langsamer als geplant). Sie drückte uns zwei Becher Tee in die Hand, die wir dringend gebrauchen konnten.

Dann schälten wir uns aus den nassen Klamotten, schlüpften in unsere warmen Schlafsachen und bekamen sofort leckeres Essen von Jolanda serviert. Trotz unserer sehr kurzfristigen Reservierung am Vorabend hat sie es geschafft, ein dreigängiges veganes Menü zu zaubern – das hat uns wirklich begeistert. Direkt nach dem Essen und jeder Menge Tee sind wir dann auch schon in unsere Betten gefallen.

Unsere Hüttenwanderung in den Alpen: der nächste Morgen

Der nächste Morgen begeistert uns mit strahlend blauem Himmel und schönstem Sonnenscheim. Endlich haben wir einen Blick auf die umliegenden Berge, auf das Tal und die wunderschön gelegene Hütte. Der Ausblick und das Gefühl sind einfach unglaublich. Erst jetzt realisieren wir, was wir gestern eigentlich geleistet haben. Selbst das Hüttenpersonal war überrascht darüber, dass wir die Wanderung tatsächlich nicht in Ausserberg, sondern vor unserer Haustür gestartet haben.

Ganz trocken sind unsere Schuhe, Hosen und Jacken noch nicht und so hängen wir sie in die Sonne und genießen noch etwas die Aussicht, bevor wir uns auf den Weg nach Hause machen. Währenddessen schauen zwei Steinböcke bei der Hütte vorbei und wir können einige Fotos aus nächster Nähe machen.

Und dann geht es auch schon wieder nach Hause. Um 10 Uhr brechen wir auf, es liegen immerhin wieder rund 7 Stunden Weg vor uns. Der Rückweg gestaltet sich wesentlich angenehmer, was sicherlich auch an dem wunderschönen Wetter liegt. Müde, erschöpft, aber wahnsinnig glücklich kommen wir zu Hause an und freuen uns schon jetzt auf unser nächstes kleines Abenteuer in diesem traumhaft schönen Land.

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