Gili Layar: die etwas andere Gili Insel

Wer an die berühmten Gili Inseln denkt, denkt vermutlich zunächst an wilde Partys und Magic Mushrooms, Honeymoon Suiten und das vermeintliche Paradies.

Vor unserer Indonesienreise haben auch wir mit dem Gedanken gespielt, die beliebte Gili Insel-Gruppe vor der Küste Lomboks zu besuchen. Nach kurzer Recherche haben wir uns dann aber dagegen entschieden.
Die kleinen Inseln brechen sichtbar unter der Last des Overtourism zusammen, sodass wir nicht auch noch Teil des Problems werden wollten.

Einige Youtube-Videos, Pinterest-Pins und Blogeinträge später stießen wir dann auf die Secret Gilis. Ganz so secret scheinen diese Gilis also wohl auch nicht mehr zu sein – trotzdem hat uns das, was wir lesen und sehen konnten, sofort überzeugt.

Viele Lombok-Besucher unternehmen nur einen kurzen Tagestrip zu den Secret Gilis. Das insbesondere machte für uns den Reiz dieser Inseln aus. Wenig Touristen, eine tolle Landschaft und vor allem: Ruhe.
Ganz besonders angetan hatte es uns Gili Layar.



Die kleine Insel ist nur mit einem Fischerboot erreichbar und verfügte zum Zeitpunkt unserer Reise lediglich über eine Unterkunft mit 5 Hütten. Ganz klar: Da wollten wir hin.

Gesagt, getan: Wir buchten kurzerhand zwei Nächte in den Gili Layar Beach Bungalows. Das Abenteuer einsame Insel konnte beginnen.

Unsere Anreise

Unsere Reise startete von Bali aus. Mit der Fähre ging es von Padang Bai sechs Stunden lang nach Lembar auf Lombok. Dort wartete bereits ein Fahrer auf uns, der uns mit dem Auto nach Tembowong brachte. Die Fahrt dauerte zwei Stunden. In diesen berichtete uns Ronny, unser Driver, von den fatalen Auswirkungen des Erdbebens, das die Insel 2018 kurz vor unserer Reise erschüttert hatte.

Tatsächlich fielen uns auf dem Weg viele eingestürzte Gebäude ins Auge. Und das, obwohl wir im Süden unterwegs waren und dieser Teil der Insel nicht einmal zu den Regionen gehört, die stark betroffen waren. Aufgrund des Erdbebens bleiben auch zahlreiche Urlauber der Insel fern.
Für viele der Einwohner, die finanziell vom Tourismus abhängig sind, ist so die Grundlage ihrer Existenz eingebrochen. Die Frustration, Ausweglosigkeit und Angst vieler Locals war während unserer gesamten Reise zu spüren. Wer mehr über das Erbeben und seine Folgen erfahren möchte, kann das hier tun.

In Tembowong angekommen, verluden wir uns und unser Gepäck auf ein kleines Fischerboot und fuhren los. Ungefähr zwanzig Minuten ging es über das Meer, dann waren wir angekommen. Uns erwartete ein sehr freundlicher Gastgeber, ein toller Sandstrand und absolute Ruhe.

Der Aufenthalt

Zu unserer großen Freude waren wir die einzigen Gäste. Das bedeutete: Neben uns würden nur noch der Besitzer der Unterkunft sowie ein Angestellter und ein paar Kühe auf der Insel wohnen. Alle weiteren Mitarbeiter leben nämlich auf Lombok und erreichen ihren Arbeitsplatz in den frühen Morgenstunden mit dem Boot.
Mit an Board sind dann die verschiedensten Lebensmittel und alles, was sonst so benötigt wird, da es auf der Insel natürlich keinen Supermarkt gibt.

Nachdem wir angekommen waren, bezogen wir unsere kleine Hütte. Die war wirklich sehr klein, aber völlig ausreichend. Da wir uns für die günstigere Variante (ca. 24 Euro pro Nacht) entschieden hatten, teilten wir uns das Gemeinschaftsbad mit den Angestellten (Gäste waren ja keine anderen da). Das war auch völlig okay und erinnerte uns an unsere Campingausflüge.

In Sachen Essen waren wir natürlich voll und ganz auf die Küche unserer Unterkunft angewiesen. Die Gerichte war ein wenig teurer, was absolut in Ordnung ist, wenn man bedenkt, dass alle Zutaten erst einmal mit dem Boot auf die Insel gebracht werden müssen. Alles in allem hat es uns meistens ganz gut geschmeckt und die Mitarbeiter haben sich die größte Mühe gegeben, mir etwas Veganes zuzubereiten. Das Frühstück war übrigens im Preis für die Unterkunft inbegriffen.

bintag beer and juice in front of sea
Der perfekte Platz für ein Bintang


Traumziel Gili Inseln: Gili Layar

Ein weiterer Punkt, mit dem uns Gili Layar sofort überzeugen konnte: Tagsüber gibt es in den Hütten keinen Strom. Da dieser über einen Generator erzeugt und den Tag über von der Küche gebraucht wird, wird er für die Hütten kurzerhand abgestellt. W-LAN ist in der großen Haupthütte zwar ganztägig verfügbar, das Signal ist aber meist so schwach, dass es zeitweise nicht einmal ausreicht, um Nachrichten zu lesen.

Das bedeutete für uns: 3 Tage voller Ruhe, die wir uns genau so gewünscht hatten. Wir lasen unsere mitgenommenen Bücher, lagen auf den Bambusliegen am Strand und taten einfach mal nichts. Leider konnte Bertal aufgrund seiner Ohrenentzündung nicht schnorcheln gehen. So hatte nur ich allein das Vergnügen, mit zahlreichen bunten Fischen in den Korallenriffen hin- und herzuschwimmen.

beach with trees
Unser Lieblingsplatz auf Gili Layar


Wunderschöne Sonnenaufgänge und tolles Wetter machten unseren Aufenthalt unvergesslich. Ebenso die herzlichen Mitarbeiter der Unterkunft, die sich toll um uns kümmerten und uns viel über das Land, seine Leute und die Umgebung erzählten.

Die Sonne geht auf

Gili Layar: vom Paradies zum Plastikproblem

Gili Layar ist dabei so klein, dass die Insel problemlos in zwei Stunden umrundet werden kann. An unserem zweiten Tag machten wir uns auf den Weg, um die anderen Seiten Layars kennenzulernen.

Während wir auf unserer Fahrt mit der Fähre des Öfteren schwimmende Teppiche aus Plastik durchkreuzten, war unser Strandabschnitt auf der kleinen Gili Insel erstaunlich sauber. Bei der Umrundung der Insel traf uns dann die bittere Wahrheit wie ein Schlag. Nur ca. 10 Minuten von unserer Unterkunft entfernt liefen wir durch ein Meer aus angeschwemmtem Plastikmüll.
Selbst obwohl wir bereits auf Bali mit dem Plastikproblem konfrontiert worden waren, und auch in Berlin-Neukölln vermüllte Straßen zum Stadtbild gehören, schien die kleine Insel Gili Layar an dieser Stelle im Müll zu versinken. Von Sandalen über Plastikflaschen und Tüten bis hin zu Lebensmittelverpackungen war hier alles zu finden.

Es ist natürlich nicht so, als hätten wir nicht von dem Plastikproblem in Indonesien gewusst – doch das Ausmaß des Ganzen mit eigenen Augen zu sehen, ist nur schwer zu verarbeiten.

Verärgert, traurig und machtlos ließ uns dieser Spaziergang zurück. In anschließenden Gesprächen mit den Locals erfuhren wir aber erst, wie sehr die Bewohner dieser paradiesischen Gegend daran verzweifeln. So räumt jeden Morgen ein Mitarbeiter der Gili Layar Beach Bungalows den Strandabschnitt auf, sammelt Plastik ein und versucht so ein Stück des Paradieses zu bewahren. Nur, um am nächsten Morgen wieder auf die gleichen Berge Müll zu treffen und die Arbeit von vorn beginnen zu lassen.

Die Unterkunft verzichtet zudem auf Einwegplastik und nutzt beispielsweise Bambusstrohhalme. Lasst ihr euch Wasser in eure mitgebrachte Trinkflasche auffüllen, bekommt ihr es umsonst. Kauft ihr eine Plastikflasche Wasser, zahlt ihr dafür. Damit ist die Unterkunft vielen Lokalen und Hotels in Indonesien, aber auch in Deutschland voraus.

Doch es scheint wie ein Kampf Davids gegen Goliath. Auch auf Gili Layar sind die Auswirkungen eines maßlosen, undurchdachten Konsums nicht mehr zu übersehen. Und wie es scheint, leider auch nicht mehr aufzuhalten.

Das war leider erst der Anfang

Tote Korallenriffe vor der kleinen Gili Insel

Und auch an anderer Stelle werden Umweltprobleme deutlich sichtbar: Vor dem feinen Sandstrand der Gili Insel sammelt sich ein breiter Streifen abgestorbener Korallen. Schwimmt man weiter hinaus, muss man über viele von Korallenbleiche betroffene Riffe hinwegtauchen. Dann erst stößt man auf lebende Korallen, bunte Fische und mit etwas Glück auch auf Schildkröten.

Das Ausbleichen und Absterben von Korallen ist eine direkte Folge der Erderwärmung und der Versauerung der Meere. Vielen Lebewesen wird hier nahezu unwiederbringlich ihr Lebensraum genommen. Auch das zu sehen hat uns sehr traurig gestimmt – live noch viel mehr als in Berichten und Dokumentationen.

Übrigens: Wir haben beim Schnorcheln auf Gili Layar und an allen anderen Orten bewusst auf Flossen verzichtet, um die Korallen nicht aus Unachtsamkeit zu beschädigen.
Was wir und ihr noch tun sollten und müssen, um die Riffe zu schützen, könnt ihr auf Utopia nachlesen. Auch in diesem Artikel von Gunda von sorong-westpapua.com auf Indojunkie erfahrt ihr, was ihr aktiv gegen die Korallenbleiche tun könnt.

Fazit: Layar – eine Alternative zu den Gili Inseln?

Freud und Leid liegen auf dieser Insel sehr nah beieinander:

Unsere Zeit auf Gili Layar hat uns wahnsinnig gut gefallen. Wir haben uns sehr wohl gefühlt, die Ruhe genossen und wären auch gern noch eine Weile länger geblieben. Auch dass wir Layar den anderen Gili Inseln vorgezogen haben, war sicherlich eine gute Entscheidung.

Gleichzeitig hat uns unsere Reise die Augen aber noch ein Stück mehr geöffnet. Es ist traurig, mit eigenen Augen zu sehen, was unser Lebensstil mit der Welt anstellt.
In jedem Fall haben wir viel gelernt: In Zukunft möchten wir noch stärker auf unseren Plastikverbrauch achten. Dinge nicht kaufen, wenn sie zu viel Verpackungsmüll produzieren. Alternativen suchen, die vielleicht unbequemer oder teurer, aber definitiv besser für die Umwelt sind. Öfter den Zug nehmen. An Clean-ups teilnehmen. Ecosia statt Google benutzen. Und und und … welche Tipps für mehr Nachhaltigkeit und Rücksicht im Alltag habt ihr?

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