Sardinien: der unentdeckte Südwesten

Eigentlich würden wir gerade im Zug nach Italien sitzen. Eigentlich lägen ein paar Tage Urlaub und ein Stückchen dolce vita vor uns. 

Jetzt sitze ich allerdings in unserer Schweizer Wohnung und schreibe diesen Blogbeitrag. In Zeiten des Coronavirus, das insbesondere die Menschen in Italien stark getroffen hat, ist das Reisen nahezu unmöglich geworden. Länder, darunter inzwischen auch Deutschland, schließen ihre Grenzen. Clubs, Bars und Cafés ihre Türen. 

So bleibt uns ausreichend Zeit, an unseren Sardinienurlaub 2018 zurückzudenken und uns für „die Zeit danach“ inspirieren zu lassen. 

Wie geht es euch, habt ihr zur Zeit einen Kopf fürs Reisen oder interessiert es euch gar nicht? Schreibt uns doch gern in einem Kommentar, wie ihr das Thema seht.

boy sitting in front of an house in italy


Sardinien abseits der Touristenmassen

Sardinien ist ein Ziel, von dem ihr vielleicht schon einmal als „Karibik Europas“ gehört habt. Die kleine Insel ist ein beliebtes Reiseziel für alle Altersklassen und daher gern auch überlaufen. Besonders der Norden mit der traumhaft schönen Costa Smeralda hat es vielen Touristen angetan. Traumhaft schön, aber zu voll – damit war der Norden rund um Olbia für uns gestrichen. Da wir uns die Insel dennoch gern anschauen wollten und auch meine Mama eine Reise nach Sardinien geplant hatte, beschlossen wir, 10 Tage lang die Gegend um Caligari zu erkunden.

Wir entschieden uns dazu, im April zu fliegen. So konnten wir sowohl Ostern als auch Bertals Geburtstag auf der Insel verbringen und die Hauptreisezeit ab Mai/Juni bis in den September/Oktober vermeiden.

girl walking through typical italian city

Unsere Unterkunft in Cagliari, Sardinien


Über Airbnb fanden wir schnell eine günstige Unterkunft in Cagliari. Doch kurz vor unserer Abreise schrieb uns unser Host, dass die Wohnung wegen eines Wasserschadens nicht mehr verfügbar sei. Stattdessen könnten wir aber das Apartment seiner Schwester nutzen. Was uns zunächst etwas misstrauisch machte, entpuppte sich später als echter Glücksgriff.

Die Familie unserer Hostgeschwister war unglaublich herzlich und versorgte uns mit allerlei Tipps für unseren Aufenthalt in Cagliari. Auch die Wohnung im Osten der Stadt, in der wir während unserer Reise übernachteten, war sauber und vor allem super gelegen – vom 8. Stock aus hatten wir eine fantastische Aussicht auf den Sonnenaufgang. Der war so sehenswert, dass ich Bertal eigentlich täglich weckte, um die Aussicht mit ihm zu teilen.

Wir wissen nicht, ob das Appartement regulär über Airbnb vermietet wird, bringen das aber gern für euch in Erfahrung, wenn ihr Interesse daran habt. Gern stellen wir den Kontakt zu unserem Host her. Schreibt uns einfach eine Nachricht, wenn ihr mal nach Cagliari wollt.

boy holding key in hotel

Für wenig Geld hatten wir uns für die gesamte Reise einen Mietwagen über Enterprise gebucht. Mit dem haben wir Tagestouren unternommen, die uns meist in den Südwesten der Insel geführt haben. Zweimal besuchten wir auch meine Mutter in Villasimius, einem beliebten Urlaubsort im Südosten Sardiniens.

guy walking through small italian city


Vor allem der Südwesten ist aber noch verhältnismäßig unbekannt und nicht allzu sehr besucht – schon gar nicht Anfang April. Wo es uns besonders gut gefallen hat:

Cagliari

Cagliari ist die Hauptstadt Sardiniens. Mit 150.000 Einwohnern ist die Küstenstadt im Vergleich zu deutschen Hauptstädten ziemlich klein. Dabei hat sie aber mindestens genauso viel zu bieten. Wer italienisches Essen liebt, kommt hier voll und ganz auf seine Kosten. Auch für Architektur- und Kulturliebhaber gibt es einiges zu entdecken.

small street with italian flair in sardinia



Die meiste Zeit sind wir einfach durch die Stadt spaziert. Ohne festes Ziel sind wir durch die kleinen Gassen gelaufen und haben dabei einige wirklich tolle Entdeckungen gemacht. Dazu gehörten unter anderem:


Die Kathedrale di Santa Maria

Eine imposante Kathedrale, die ursprünglich im 13. Jahrhundert errichtet wurde. Schon allein von außen beeindruckt das Bauwerk, das innen mit zahlreichen Fresken und Skulpturen ausgestattet ist.

cathedral di santa maria

Der San Benedetto-Markt

Der riesige Markt in Cagliari hat an einer Vielzahl von Ständen alles zu bieten, was die sardische Küche hergibt. Von Fleisch und Fisch über Käse bis hin zu Obst und Gemüse – hier bekommt ihr alles. Perfekt für Mitbringsel, aber auch einfach zum Schlendern und Probieren ist der San Benedetto-Markt einfach perfekt.

Der botanische Garten

Durch Zufall liefen wir am Botanischen Garten von Cagliari vorbei. Da der Eintritt für Studenten ziemlich günstig war, entschieden wir uns dazu, dem Park einen kleinen Besuch abzustatten. Dieser kleine Besuch dauerte dann rund 3 Stunden, da die Anlage superviel zu bieten hatte. Wer also genauso interessiert an Pflanzen ist wie wir, dem ist der Botanische Garten absolut zu empfehlen. 

Via Roma und der Hafen

Hier ist es voll und touristisch – und trotzdem zählt die Via Roma mit ihren prächtigen Häusern definitiv zu den schönsten Straßen, die wir je gesehen haben. Am Hafen selbst gibt es einige Bänke, auf denen ihr entspannt sitzen und dem regen Treiben zuschauen könnt. Ein kurzer Besuch sollte bei eurem Aufenthalt nicht fehlen.

Bastione di Saint Remy

view over cagliari

Das riesige Kalksteintor ist oben mit einer großen Terrasse ausgestattet, von der ihr einen tollen Blick auf die Stadt habt. Wenn ihr gerade in der Nähe seid, lohnt sich ein Abstecher auf jeden Fall.

Flamingos

Ein absolutes Pro auf unser Sardinien-Liste sind und waren Flamingos. Nicht weit außerhalb der Stadt, an der Molentargius-Saline zwischen Cagliari und Quartu Sant’Elena, könnt ihr die rosa Vögel in Massen bewundern. Leider haben wir es nicht geschafft, ein tolles Foto von ihnen aufzunehmen – vielleicht gelingt das euch ja besser.


Essen und Trinken in Cagliari


Wer Bertal nur ein bisschen kennt, weiß, dass er die italienische Küche liebt. Einen Großteil unserer Sardinien-Reise verbrachten wir demnach in Cafés und Restaurants.

Fun Fact: Ich habe während unserer zehntägigen Reise fast nur Pizza Marinara gegessen. Für langjährige Veganer ist das längst kein Geheimtipp mehr, wer aber auf tierische Produkte, jedoch nicht auf gutes italienisches Essen verzichten möchte, dem sei die Pizza Marinara ans Herz gelegt. In jedem Lokal schmeckt sie ein bisschen anders – und meistens ist sie supergünstig zu bekommen. Sie kommt ohne Käse und ist damit von Haus aus vegan.


Ein paar Tipps für gute Restaurants, Cafés und Bars in Cagliari:

  • Il Pepe Rosa: Aufgrund der Nähe zu unserer Unterkunft waren wir zweimal bei Il Pepe Rosa. Ein voller, trubeliger Laden mit leckerer Pizza und Pastagerichten.
  • Mamopizza: Zwischen den unzähligen verschiedenen Pizzen bekommt ihr hier auch Varianten mit veganem Käse. Als wir hier an einem verregneten Abend Pizza bestellten, bekamen wir von den freundlichen Mitarbeitern eine vegane Schokoladenpizza in Herzform geschenkt. 
  • Panino Rustico: Der kleine und immer volle Laden direkt am Markt bietet tolle Panini an (auch vegan). Der herzliche Besitzer macht den Charme des Cafés perfekt.
  • FRIDA: Das Frida ist eine kleine, stylische Bar mit guten Drinks und nettem Personal.

Den Südwesten Sardinien erkunden

green door and pink wall in italy

Aber nicht nur in Cagliari, sondern im gesamten Südwesten der Insel haben wir wunderschöne Orte entdeckt, die wir jedem Sardinienbesucher wärmstens empfehlen können. Unsere Top 5 haben wir euch nachfolgend zusammengestellt.

Nora: die älteste Stadt Sardiniens

Nora ist vermutlich die älteste Stadt Sardiniens. Heute sind nur noch Überreste zu sehen, die ihr aber besuchen könnt. Einige Relikte reichen dabei bis ins Jahr 283 v. Chr. zurück. Wir nahmen an einer etwa zweistündigen Führung durch die Ruinen teil. Unser Tourguide wusste viel zu berichten und hat diese Informationen auch spannend vorgetragen, sodass uns die Führung nicht nur superviel Spaß gemacht, sondern auch viel beigebracht hat.
Die Tour wurde auf Englisch und Italienisch durchgeführt, eine deutschsprachige Führung wurde zum Zeitpunkt unserer Reise nicht angeboten. Gekostet hat sie 5,50 Euro pro Person.

ancient city in sardinia

Strände in Chia (und einer in Pula)

Chia ist eine Küstenregion im Süden Sardiniens, die wunderschöne, malerische Strände zu bieten hat. Türkisblaues Wasser und feiner Sand lassen hier auch schon im April Sommergefühle aufkommen. Das Meer ist natürlich noch zu kalt zum Baden, die Füße hineinhalten geht aber absolut. Insgesamt haben wir vier Strände in der Region Chia bzw. Pula besucht, die uns alle durchweg überzeugt haben. Es spielt also eigentlich unserer Meinung nach keine Rolle, welchen dieser Strände ihr euch aussucht:

  • Spiagga di Nora (Pula): Direkt an der alten Stadt Nora gelegener, kleiner Strandabschnitt mit gutem Blick auf den Torre del Coltellazzo.
  • Spiagga Su Giudeu: Ein feiner, langer Sandstrand einer kleinen vorgelagerten Insel.
  • Spiagga di Cala Cipolla: Ein kleiner, idyllischer Strand mit türkisblauem Wasser.
  • Tuerredda Beach: Wir waren am frühen morgen hier und hatten den wunderschönen Strand für uns allein. Er ist allerdings ein beliebtes Ziel vieler Sarden und Touristen und daher auch oft voll.
beach in sardinia

Pula: bunt, lebendig, laut


Pula ist ein wunderschönes kleines Städtchen, das definitiv einen Tagesausflug Wert ist. Ein großer, belebter Marktplatz im Zentrum lädt auf jeden Fall dazu ein, hier bei ein paar Aperol Spritz’, Kaffees oder Bieren zu verweilen. Kleine, hübsche Straßen, freundliche Menschen und sogar ein Eisladen mit veganem Angebot haben mich dieses kleine Örtchen in mein Herz schließen lassen. Trotz der nur 7000 Einwohner ist Pula gefüllt mit Leben, ist bunt und laut wie aus einem italienischen Bilderbuch. Außer in der Mittagspause – da hatten wir die Straßen ganz für uns. Mit Öffnung der Läden um 16 Uhr kehrten dann aber auch die Sarden wieder zurück auf die Straßen.

small street in pula, sardegna
Während der Mittagspause sind die Straßen leergefegt
boy sitting in front of italian house

Grotta di Su Mannau

Die Grotte di Su Mannau war definitiv eines der Highlights unserer Reise. Die Anfahrt zur Grotte dauerte recht lang, sie hat sich aber absolut gelohnt. Unsere Erwartungen wurden übertoffen: Die 8200 Meter lange Höhle ist teilweise bis zu 30 Meter hoch. Nur 500 Meter sind dabei für Touristen erschlossen, es ist also unvorstellbar, was sich noch alles in dieser Höhle verbirgt. Direkt im Eingangsbereich fanden sich alte Relikte, die darauf hinweisen, dass die Grotte zu römischen Zeiten als unterirdischer Tempel genutzt wurde.

Ein kleiner See inmitten der Grotte

Wir bezahlten jeweils 10 Euro für den Eintritt inklusive einer Führung auf Italienisch und Französisch. Die ging rund 1,5 Stunden und war trotz der Sprachbarriere wahnsinnig informativ. Allein darf die Grotte übrigens nicht betreten werden.

Wasserfälle auf Sardinien

Unseren vorletzten Tag auf Sardinien hatten wir den Wasserfällen gewidmet. Dafür ging es mit dem Auto erneut in Richtung Westküste. Zunächst stand der Cascata Sa Spendula auf dem Programm. Der Wasserfall nahe des Bauerndorfes Villacidro ist gut mit dem Auto erreichbar und nur ein paar Minuten vom Parkplatz entfernt. 

Der Wasserfall Sa Spendula

Anschließend wartete eine größere Aufgabe auf uns: Wir hatten uns vorgenommen, den Cascata Piscina Irgas am südlichen Rand des Monte-Linas-Gebirges vom gegenüberliegenden Aussichtspunkt zu erkunden. Dass uns eine längere Wanderung bevorstehen würde, war uns bewusst – dass wir diesen Wanderweg aber erst einmal eine ganze Weile suchen mussten, hat das Ganze zu einem richtigen Abenteuer werden lassen.

lake in sardinia, italy
Auf der Suche nach dem Wanderweg haben wir wunderschöne Landschaften entdecken können

Nach rund einer Stunde des Suchens fanden wir einen Weg, der vielversprechend aussah. Wir ließen das Auto stehen und marschierten los. Wir liefen für einige Kilometer durch den Monti Mannu-Forst, bis wir schließlich das Ufer eines Flusses erreichten. Dem folgten wir für ein paar weitere Kilometer, die uns teilweise über unwegsames Gelände und Granitfelsen führten – bis es nur noch bergauf ging. Und das sogar ganze 800 Meter. Sichtlich geschafft kamen wir am Gipfel des Berges an. Hier wurden wir mit der schönsten Aussicht auf den gegenüberliegenden, 45 Meter hohen Wasserfall belohnt.
Nachdem wir den Weg zurück gemeistert hatten und wieder bei unserem Auto angelangt waren, werteten wir die Schrittzähler unserer Handys aus: Rund 30 Kilometer hatten wir auf dieser Wanderung zurückgelegt.

Der Ausblick auf den Cascata Piscina Irgas



Sicherlich kann man den Aussichtspunkt auch auf kürzerem Wege finden – das ist uns allerdings nicht gelungen. War aber auch überhaupt nicht schlimm, da die Wanderung durch den Wald und das Tal wirklich schön gewesen ist.

Fazit: Wir werden auf jeden Fall nach Sardinien zurückkehren und uns dann die vielen noch unentdeckten Orte vornehmen. Wart ihr schon einmal da? Was habt ihr Tolles erlebt? Verratet es uns doch unter diesem Post.


Habt ihr Fragen zu einem unserer Tipps oder möchtet ihr Genaueres erfahren? Habt ihr vielleicht einen noch besseren Tipp? Dann schreibt uns einen Kommentar oder eine Mail an kontakt@sofarawayfromberlin.de

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3 Kommentare

  1. März 18, 2020 / 10:59 am

    So ein schöner Bericht und die Bilder dazu sind einfach nur traumhaft. Mir geht es gerade genau wie euch. Voller Vorfreude auf meinen Urlaub habe ich gerade noch einen Artikel über 10 Gründe, warum man Rom gerade im Frühling besuchen sollte veröffentlicht und jetzt musste ich den geplanten Urlaub nächste Woche leider absagen und kann von meiner Lieblingsstadt nur träumen. Ich hoffe, dass der Spuk bald ein Ende hat. Bis es soweit ist bleibe ich zuhause und lass mich von phantastischen Orten inspirieren… Danke für diese tolle Gedankenreise! Tanti saluti, Julia

    • Miriam
      Autor
      März 19, 2020 / 5:58 am

      Liebe Julia,

      vielen lieben Dank für deine netten Worte! In Rom waren wir beide noch nicht, aber deine Tipps haben die Stadt definitiv auf die Bucketlist gesetzt!
      Wir hoffen, dass du deine Reise ganz bald nachholen kannst und vor allen Dingen bis dahin gesund bleibst 🙂

      Liebe Grüße

      Miriam & Bertal

      • März 27, 2020 / 12:27 pm

        Danke! Ihr natürlich auch! Vielleicht trifft man sich ja mal auf einen Aperitivo in der Ewigen Stadt oder auf Sardinien! Alle Liebe

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