Zehn Millionen Menschen leben in Jakarta, im gesamten Ballungsraum sind es über 30 Millionen – aktuell die bevölkerungsreichste Agglomeration der Welt. Bertal und ich haben diese Stadt zweimal gesehen: einmal am Anfang unserer grossen Reise nach Ost-Indonesien, energiegeladen und neugierig. Und einmal am Ende, als ich kaum noch die Kraft hatte, ein Museum zu betreten. Zwei Besuche, zwei völlig verschiedene Städte – dabei war es dieselbe.
Die Route: Von Kuala Lumpur aus einmal quer durchs halbe Land
Damit die folgenden Kapitel Sinn ergeben, kurz die grosse Linie: Wir sind von Kuala Lumpur nach Jakarta geflogen, von dort mit einem nächtlichen Umstieg in Makassar weiter nach Sorong – dem Tor nach Raja Ampat, wo wir eine Woche getaucht haben. Danach ging es zurück nach Sulawesi, an den Danau Tondano und nach Tomohon, weiter nach Ambon und schliesslich nach Kei Kecil. Dort holte mich die Reise ein: Ich fing mir Malaria und Chikungunya ein, gleichzeitig. Zurück ging es über Jakarta – wieder zwei Tage, aber unter ganz anderen Vorzeichen – und von dort über Kuala Lumpur nach Hause.
Jakarta war also nicht ein einzelner Layover, sondern das Nadelöhr, durch das unsere ganze Ost-Indonesien-Reise zweimal musste. Und das war kein Zwang: Es gibt Direktflüge von Kuala Lumpur nach Makassar (unter anderem mit AirAsia und Batik Air Malaysia), und auch von Bali aus kommt man direkt weiter Richtung Osten, etwa nach Sorong. Wir hätten Jakarta also umgehen können. Wollten wir aber nicht – wir wollten diese Stadt mit eigenen Augen sehen, und im Nachhinein bin ich froh, dass wir sie uns nicht nur einmal, sondern gleich zweimal angeschaut haben. So unterschiedlich, wie die beiden Aufenthalte ausfielen, hätten wir sonst nur die Hälfte der Geschichte mitbekommen.
Kapitel eins: Drei Tage Jakarta, bevor es in den Osten geht
Sonntag: Ankunft, ein Spaziergang und Streetfood in Gondangdia
Wir landeten gegen 11 Uhr am Sonntagvormittag, checkten im Hotel Ashley Tugu Tani in Menteng ein – für umgerechnet rund 50 CHF pro Nacht ein wirklich gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, Zimmer und Lage top – und erkundeten das Viertel erst einmal zu Fuss. Zum späten Lunch landeten wir in einem Sulawesi-Restaurant gleich um die Ecke, an der Kreuzung Jalan Kebon Sirih/Jalan Medan Merdeka Timur. Bertal bestellte Sop Konro mit Konro Bakar und zum Nachtisch Es Pisang Ijo, ich Kangkung, Pepper-Tofu und Reis – ein Essen, das uns so gut gefiel, dass wir Tage später noch einmal zurückkehren sollten.
Nach einer kurzen Pause im Hotel zog es uns am Abend wieder raus, diesmal Richtung Gondangdia. Die Gegend rund um den gleichnamigen Bahnhof gilt unter Einheimischen als eine der besten Streetfood-Adressen im Zentrum Jakartas, und genau das haben wir dort auch gefunden: ein dichtes Nebeneinander aus Garküchen, bei dem man sich von Stand zu Stand durchprobieren kann. Ein entspannter erster Abend, mit vollem Bauch ins Bett.
Montag: Zwei geschlossene Türen, dann Kota Tua und Karaoke
Nach dem Frühstück wollten wir Richtung Monas, dem Nationaldenkmal – 132 Meter hoch, mit einer goldbedeckten Flamme an der Spitze und einem unterirdischen Geschichtsmuseum. Nur: Montags ist zu, das gilt für fast alle Museen und Sehenswürdigkeiten der Stadt. Also weiter zur nahegelegenen Galeri Nasional Indonesia an der Jalan Medan Merdeka Timur, die unter anderem Werke von Raden Saleh und Affandi zeigt – ebenfalls geschlossen. Zwei Absagen an einem Vormittag, ein Detail, das ich jedem für die Planung mitgeben würde: Wer nur einen kurzen Städtetrip einbaut, sollte den Montag meiden.
Wir liessen uns davon aber nicht die Laune verderben und nahmen einen Uber Richtung Kota Tua, der Altstadt. Was uns dort überraschte, war, wie europäisch sich alles anfühlte – abgesehen vom Klima. Das liegt an der Geschichte des Ortes: Ab 1619 errichtete die niederländische Ostindien-Kompanie (VOC) unter Jan Pieterszoon Coen hier ihren befestigten Handelsposten, den sie Batavia nannte; zuvor hiess der Ort Jayakarta. Rund 320 Jahre lang, bis zur indonesischen Unabhängigkeit, blieb das Gebiet niederländisch verwaltet, und rund um den grossen Platz, den Fatahillah-Platz, stehen noch immer die alten VOC-Lagerhäuser, Herrenhäuser und das historische Rathaus, das heute das Jakarta History Museum beherbergt. Genau auf diesem Platz erlebten wir eine Szene, die uns beide zum Schmunzeln brachte und gleichzeitig nachdenklich machte: Zahlreiche indonesische Touristinnen und Touristen liessen sich dort in Holzschuhen und mit grossen holländischen Hüten fotografieren, eine Art umgekehrte Kolonial-Kulisse. Faszinierend und, wegen der Geschichte dahinter, auch ein bisschen beklemmend.
Direkt am Platz, im ältesten noch kommerziell genutzten Gebäude nach dem historischen Rathaus, liegt das Café Batavia – ein zweistöckiges Kolonialhaus aus den 1830er-Jahren, das seit den frühen Neunzigern als Café und Bar betrieben wird, mit dunklem Holz, alten Fotografien und einer Bar, die 1996 von Newsweek zur besten der Welt gekürt wurde. Wir wollten eigentlich nur einen Kaffee trinken. Dann stand veganes Nasi Goreng auf der Karte, und ich musste zugreifen – überraschend lecker, obwohl Nasi Goreng sonst nicht mein Gericht ist, jedenfalls nicht, wenn es Alternativen gibt. Der Service war exzellent.
Von dort ging es weiter nach Glodok, Jakartas Chinatown rund um die Jalan Pancoran und die Jalan Toko Tiga. Am Abend landeten wir in einem Hawker Center, in dem tatsächlich Karaoke lief – herrlich chaotisch. Bertal hat Laksa gegessen, ich habe mir ein Bintang gegönnt, und wir haben zugesehen, wie sich fremde Gäste gegenseitig das Mikrofon in die Hand gedrückt haben. Für den späteren Abend ging es dann noch einmal quer durch die Stadt, ins SCBD-Viertel (Sudirman Central Business District), Jakartas Hochglanz-Finanzdistrikt: Skyline bewundern, durch die Malls ziehen, eine Runde durch den SCBD Park – Wolkenkratzer statt Kolonialfassaden, der Kontrast des Tages auf den Punkt gebracht.
Dienstag: Frisör, Nationalmuseum und ein Wiedersehen mit Sop Konro
Der letzte Tag begann mit einem Termin: Bertal liess sich an der Jalan Abdul Muis die Haare schneiden, seine langen Haare waren danach ab. Danach ging es ins Nationalmuseum – für mich der eigentliche Höhepunkt der drei Tage. Der Neubau des Museums, Gedung Arca, seit 2007 geöffnet, ordnet seine Ausstellung nicht nach Objektart, sondern nach Themen: Mensch und Umwelt, Wissen und Technik, gesellschaftliche Organisation, und ganz oben Schätze und Keramik. Uns hat vor allem die Auseinandersetzung mit der kolonialen Vergangenheit gepackt, gerade weil das Museum offen benennt, dass ein Teil seiner ethnologischen Sammlung während niederländischer Militärkampagnen im 19. und 20. Jahrhundert erbeutet wurde. Uns interessiert das Thema Kolonialismus schon lange aus einer nicht-eurozentrischen Perspektive, und genau diese Perspektive – dazu die Fülle an Informationen zu den unzähligen Ethnien des Landes, von Sumatra bis Papua – hat uns wirklich mitgenommen. Beeindruckend und aufwühlend zugleich.
Zum Mittag gab es endlich, was wir die ganze Reise über gesucht hatten: echte Soto Betawi, die traditionelle Jakarta-Suppe, in einem grossen Restaurant gleich in der Nähe des Frisörs an der Jalan Abdul Muis. Ich habe stattdessen Tofu bestellt, gefüllt mit Tapioka – unglaublich lecker. Überhaupt war vegan essen in Jakarta erstaunlich unkompliziert: In fast jedem Laden gab es Tofu, Reis und Kangkung, oder Gado Gado. Den restlichen Nachmittag verbrachten wir in den Malls, bevor wir am Abend noch einmal in unser Sulawesi-Restaurant von Tag eins zurückkehrten – manche Gerichte schmecken beim zweiten Mal noch besser. Dann ging es zum Flughafen: Unser Flug Richtung Makassar und weiter nach Sorong startete um 21 Uhr.
Die Mitte der Reise: Raja Ampat, Sulawesi, Ambon – und eine Krankheit
Was zwischen den beiden Jakarta-Aufenthalten passiert ist, würde diesen Artikel sprengen – eine Woche Tauchsafari in Raja Ampat, der Rückweg über Sulawesi, Ambon und schliesslich Kei Kecil, wo ich mir Malaria und Chikungunya gleichzeitig eingefangen habe. Dazu kommen eigene Artikel. Wichtig für diese Geschichte ist nur: Als wir wieder in Jakarta landeten, war ich nicht mehr dieselbe Reisende wie zwei Wochen zuvor.
Kapitel zwei: The Orient, Ruhe und ein Food Court zum Überleben
Der Rückflug brachte uns wieder für zwei Tage nach Jakarta – und dieses Mal wohnten wir im The Orient Jakarta, a Royal Hideaway Hotel, für rund 100 CHF pro Nacht. Ein Hotel, das ich uneingeschränkt empfehlen kann: ein grandioses Frühstück, ein gutes Gym, mehrere schöne Pools, eine erstklassige Lage, ein extrem aufmerksamer Service. Schon von aussen wirkte das Haus beeindruckend, und der Blick aus unserem Zimmer im 28. Stock war grandios.
Nur konnte ich davon kaum etwas geniessen. Ich war noch immer geschwächt von Malaria und Chikungunya, und statt Kota Tua oder Museen standen diesmal Malls und Autofahrten auf dem Programm – zu Fuss war für mich einfach nicht drin. In Erinnerung geblieben ist mir vor allem der riesige Food Court der Central Park Mall in Westjakarta, wo wir Sushi gegessen haben. Nach meiner Erkrankung konnte ich eine Zeit lang tatsächlich nur Gurkensalat und Sushi essen, sonst nichts – und ausgerechnet dort, in einem Einkaufszentrum am anderen Ende der Stadt von unserem ersten Hotel, habe ich das gefunden, was mein Körper gerade brauchte. Ein deutlich ruhigerer, leiserer Aufenthalt als der erste – aber genau das war es, was ich in diesem Moment gebraucht habe.
Für ein nächstes Mal steht bei uns Blok M im Süden der Stadt ganz oben auf der Liste. Das Viertel gilt als eines der lebendigsten Food-Pflaster Jakartas, von Streetfood-Ständen bis zu den Cafés, die seit ein paar Jahren dort ihren zweiten Frühling erleben. Kultur geht für uns viel über Essen – und genau deshalb wollen wir Blok M beim nächsten Besuch unbedingt erkunden.
Warum wir beide Male über Kuala Lumpur geflogen sind
Sowohl hin als auch zurück sind wir über Kuala Lumpur geflogen statt direkt zwischen Europa und Jakarta. Der Grund: Wegen des Kriegs in den Golfstaaten wollten wir Flugrouten über diese Region vermeiden, und die Verbindung über Kuala Lumpur war die praktikabelste Alternative. Malpensa–Kuala Lumpur kostete uns rund 480 CHF/EUR hin und zurück pro Person, dazu kam jeweils die Strecke Kuala Lumpur–Jakarta für rund 100 pro Person. Gebucht haben wir alles selbst, über Skyscanner und Traveloka, ohne Reisebüro.
Der Kuala-Lumpur-Umweg stand schon lange vor der Reise fest. Alles andere haben wir dagegen sehr spontan vor Ort organisiert – und das gilt besonders für die Rückreise: Nachdem ich auf Kei Kecil krank geworden war, mussten wir unsere Rückflüge sehr kurzfristig umbuchen. Der bereits gebuchte Umweg über Kuala Lumpur blieb bestehen, aber alles drumherum musste plötzlich sehr schnell gehen.
FAQ – häufige Fragen zum Transit über Jakarta
Muss die Route nach Ost-Indonesien über Jakarta führen?
Nein. Es gibt Direktflüge, zum Beispiel von Kuala Lumpur nach Makassar oder von Bali (Denpasar) weiter Richtung Osten. Wir haben uns bewusst für Jakarta entschieden, weil wir die bevölkerungsreichste Stadt der Welt sehen wollten.
Brauche ich ein Ausreise- oder Weiterreiseticket für die Einreise nach Indonesien?
Formal sind die Einreisebeamten dazu verpflichtet, das zu kontrollieren. In der Praxis hängt es aber stark von Flughafen und einzelnem Beamten ab, wie streng das gehandhabt wird. Bei uns wurde es nicht verlangt – darauf verlassen würden wir uns aber nicht, das war schlicht Glück.
Wie viele Tage sind realistisch für einen Cityausflug in Jakarta?
Wir hatten uns für 2 bis 3 Tage entschieden, sowohl hin als auch zurück – das hat gut gepasst, um etwas von der Stadt zu sehen, ohne zu hetzen. Wer nur einen kurzen Zwischenstopp einplant, sollte den Montag meiden: Museen und Sehenswürdigkeiten wie Monas oder die Galeri Nasional haben dann geschlossen.
Wie zuverlässig sind Inlandsflüge in Indonesien?
Lion Air war bei uns wie eigentlich immer ein bisschen verspätet. Auch der Flug Makassar–Sorong hatte in Makassar Verspätung. Insgesamt war aber meistens alles okay – man sollte einfach genug Puffer einplanen.
Würdet ihr wieder über ein Reisebüro statt selbst online buchen?
Wir haben alles selbst gebucht, über Skyscanner und Traveloka – das hat gut funktioniert und würden wir wieder so machen.




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